Das Auferstehungskreuz in  St. Elisabeth Münster


Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.

Das Auferstehungskreuz zeigt dieses Glaubensgeheimnis in der Form eines Kunstwerkes, wie man es in der Tradition selten dargestellt wurde: Tod und Auferstehung in einem Bild. 

Woher kommt dieses Kreuz? Es ist ein Geschenk des Pfarrers Josef Gorzelany  aus der Pfarrgemeinde Maria Königin Polens aus Nowa Huta bei Krakau an  Bischof Heinrich Tenhumberg aus Münster. Pfarrer Gorzelany gab dieses Kreuz 1978 einer Gruppe von Journalisten unserer Kirchenzeitung Kirche und Leben als Geschenk für den Bischof von Münster.

 Nowa Huta ist die Stadt, die nach Stalins Willen eine Stadt ohne Gott sein sollte. Aber die Bewohner haben jahrelang bei Wind und Wetter draußen unter einem großen Kreuz Eucharistie gefeiert, bis sie schließlich der Regierung die Genehmigung für den  Bau einer Kirche abgetrotzt haben. Führend im Kampf um diese Kirche war der damalige Bischof von Krakau Karol Wojtyla, unser heutiger Papst Johannes Paul II. Vielen ist diese Kirche bekannt, sie ist einer Arche ähnlich und  ringsum mit Findlingen aus ganz Polen verblendet. Das Kreuz  ist geschaffen von einem der besten Bildhauer Polens, von Antoni Rzasa aus Zakopane in der Hohen Tatra.

Bischof Tenhumberg schenkte das Kreuz der Pfarrgemeinde Maria Magdalena in Geldern am Niederrhein, da diese Gemeinde damals aktiv an der deutsch-polnischen Versöhnung gearbeitet hat. Das Kreuz fand seinen Platz im Meditationsraum der Kapuzinerkirche in Geldern. Wegen Mangels  erheblicher  finanzieller Mittel zur Reparatur der Kapuzinerkirche wurde sie im vergangenen Jahr 2000 an einen Kulturmanager aus Straelen verkauft. Altar, Tabernakel, Hängekreuz, Ambo und Priestersitz wurden der bedürftigen Gemeinde Tschernobyl-Dorf in der Nähe von Tschernobyl geschenkt. Damit das Auferstehungskreuz einen sinnvollen Ort fände, gab die Pfarrgemeinde in Geldern das Kreuz im vorigen Jahr unserer St.-Elisabeth-Gemeinde, da die polnische Mission hier heimisch geworden war.

 Was stellt dieses Kreuz dar? Es ist eine Darstellung des Mysteriums von Tod und Auferstehung. Das Bild ist aus einem Stamm gewachsen, der Bildhauer musste nicht viel an diesem Stamm verändern, um die jetzige Form zu finden. Unten befindet sich der gekreuzigte Mensch. Wir sehen, wie er hängt, den Kopf gesenkt, sein Körper ist vital irdisch dargestellt. Der entblößte Oberkörper zeigt eine kräftige Gestalt, sie trägt die Bekleidung der Häftlinge von Auschwitz, der Menschen, die das schwerste Kreuz in der Geschichte der Menschheit getragen haben.

Aus dem gleichen Baumstamm erwächst  der Mensch, der sich leicht nach oben hin ausstreckt mit aufgerichtetem Haupt und Blick in die Weite: Der Auferstandene. Er ist aus dem gleichen Holz geschnitzt, hat die irdische Schwere überwunden, er hängt nicht, er schwebt geradezu. Wir erinnern uns an  das früheste schriftliche Zeugnis der Auferstehung in 1 Kor 15,44-50: Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib.

Diese genial einfache Darstellung des Mysteriums von Kreuz und Auferstehung Jesu ist in diesem Kunstwerk bezogen auf den konkreten Menschen unserer Zeit. Es verkündet die Überwindung des schmerzvollen Todes in der Auferstehung, wobei die Auferstehung hier nicht als Weiterleben der Seele nach dem Tod gesehen wird, sondern leibhaftig als eine neue Existenz, die aus der vergangenen  hervorgeht in eine neue Dimension von Leben hinein.

Der Raum unter der Orgelbühne ist jetzt mit einer Glasscheibe geschlossen. Wir möchten diesen Kirchenraum tagsüber offen halten. Alle sind herzlich eingeladen, die Elisabethkirche zwischen den Gottesdiensten zu Gebet und Meditation aufzusuchen, den Blick auf das Tabernakel zu richten, bei der schwarzen Madonna betend zu verweilen und im Auferstehungskreuz zu erkennen, dass das ewige Leben aus dem selben Holz erwächst, aus dem wir alle geschnitzt sind.

Ostern 2001
H. Ludger, Pfr.